Wladimir Wladimirowitsch Putin

wurde
am 7.Oktober 1952 in Leningrad (heute St. Petersburg) als Sohn des Schlossers
Wladimir Spiridonowitsch Putin und seiner Ehefrau Maria Iwanowna geboren und in
sowjetischen Sinne erzogen. Von 1960 bis 1972 besuchte er die Schule in
Leningrad. Anfang der 70er Jahre begann Wladimir W. Putin an der Leningrader
Universität das Studium der Rechtswissenschaften, nebenher lernte er die
deutsche Sprache.1974 wurde er vom sowjetischen Geheimdienst KGB angeworben. Im
Jahre 1975 schloss er mit seiner Examensarbeit über das „Prinzip der Meistbegünstigungsklausel
im Aussenhandelsrecht“, welche er mit der Note „ausgezeichnet“ bewertet
bekomme hatte, sein Studium der Rechtswissenschaften in Leningrad ab.
Von
1975 bis 1990 stand Wladimir Putin im aktiven Dienst für die Organe der
sowjetischen Staatssicherheit (KGB). Nach einer kurzen Ausbildung kam Putin in
die Sektion Wissenschaft und Technik der Ersten Hauptabteilung des KGB, was ihm
die Möglichkeit gab, ins Ausland zu kommen. Er arbeitete sehr lange für den
KGB in der BRD und der damaligen DDR, wobei er sich die deutsche Sprache nahezu
perfekt aneignete. Während seiner Zeit beim KGB war er
in mehreren deutschen Städte für diesen tätig: Bonn, Leipzig, Dresden,
Erfurt, West-u. Ostberlin. Im Majorsrang hatte er mit den sowjetischen Streitkräften
in Ostdeutschland zu tun und war Vorsitzender der Gesellschaft für
deutsch-sowjetische Freundschaft. 1988 erhielt er die NVA-Verdienstmedaille der
DDR. Nach der Auflösung der DDR kehrte Putin in seine Heimatstadt St.
Petersburg zurück. Mit der Auflösung der Sowjetunion 1991 trat Putin im Range
eines Oberstleutnants aus dem KGB aus.
1990
wurde W. Putin Berater von Anatolij Sobtschak, einem Rechtsprofessor, der als
einer der reformfreudigsten Politiker des Landes galt und schließlich die
ersten freien Wahlen im Juni 1991 für das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt
St. Petersburg gewann. Dieser machte seinen Vertrauten, Putin, zum Vorsitzenden
des Komitees für Aussenwirtschaftsbeziehungen der Stadt St. Petersburg. 1994
machte Sobtschak Putin zu seinem Ersten Stellvertreter als Oberbürgermeister.
Mit der Wahlniederlage bei den Bürgermeisterwahlen im Jahre 1996 endete die
Amtszeit Sobtschaks und somit auch die seines ersten Stellvertreters Wladimir
Putin. Ein Stellenangebot der neuen Administration der Stadt lehnte Putin ab und
war damit arbeitslos. Anscheinend wollte er nicht für den neuen Gouverneur
Jakowlew arbeiten, da dieser zuvor einen harten und zum Teil verleumderischen
Wahlkampf gegen Sobtschak und ihn geführt hatte.
Der
offiziellen Version folgend, bekam Putin 1996 dank des Reformpolitikers Anatolij
Tschubais, dem damaligen Leiter der Präsidialverwaltung, einen Posten im
Moskauer Kreml. Putin selbst behauptet, er habe die neue Stelle im Kreml Pawel
Borodin, dem damaligen Verwalter sämtlicher Kremlliegenschaften, zu verdanken
gehabt. Nach einer kurzen Tätigkeit als Verwalter der Kreml-immobilien und
anderer russischer Auslandsvermögen stieg er im März 1997 zum Leiter der
Hauptabteilung Kontrolle der Präsidentenverwaltung auf, deren Aufgabe es ist,
die Durchführung von den sog. Präsidenten-Ukas (Dekrete) im ganzen Lande zu überwachen.
Ende Juli 1998 machte Boris N. Jelzin ihn zum Chef des Föderalen
Sicherheitsdienstes FSB, der Nachfolgeorganisation des KGB. Im März 1999 stieg
er zu Jelzins Sicherheitsberater auf, einer Funktion mit umfangreicher Machtfülle.
Am 9.Aug 1999 entließ Jelzin überraschend den amtierenden Ministerpräsidenten Sergej Stepaschin und nominierte Wladimir Putin zum Nachfolger, welcher am 16.August 1999 in der Duma mit 232 gegen 84 Stimmen als neuer Ministerpräsident bestätigt wurde. Die Nominierung Putins zum neuen Ministerpräsidenten verband Jelzin mit dem ausdrücklichen Hinweis, Putin sei auch sein Favorit als Nachfolger im Amt des Präsidenten.
Neue Kämpfe im Kaukasus, welche durch den Vorstoss tschetschenischer, islamistischer Rebellen unter der Führung von Bassajew in das benachbarte Dagestan ausgelöst wurden, entwickelten sich zu einer großen aussen-sowie innenpolitischen Herausforderung für Wladimir Putin. Als im August/September 1999 ca. 300 Menschen in Moskau mehreren Attentaten, welche tschetschenischen Terroristen zugeschrieben wurden, zum Opfer fielen, begann Russland seinen „Kampf gegen den Terrorismus“ in Tschetschenien. Putin, der bei seiner Amtsübernahme ein „hartes Durchgreifen“ angekündigt hatte, nannte nach dem Beginn einer umfangreichen militärischen Luft-Boden-Operation im Oktober als Endziel Russlands „die völlige Vernichtung der Terroristen“ und Bewahrung der territorialen Integrität. Jegliche Ermahnungen und Kritik aus dem Westen, aufgrund des harten Vorgehens der russischen Armee ohne besondere Rücksichtnahme auf die tschetschenische Zivilbevölkerung, wurden von Putin und den russischen Regierungsorganen als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands stets zurückgewiesen. Bei der russischen Bevölkerung erntete Putin viel Verständnis und Zustimmung für sein konsequentes Vorgehen im Kaukasus, was sich am Wahlsieg des erst sehr spät gegründeten und Putin offenbar unterstützenden Wahlblocks „EINHEIT“ (Jedinstwo) bei den Duma-Wahlen am 19.Dezember 1999 äußerte.
Die
neue Partei „Einheit“ wurde mit 23,32 % der Stimmen knapp hinter den
Kommunisten (24,29 %) zweitstärkste
Fraktion in der neuen Duma.
Zum
Jahreswechsel 1999/2000 überraschte Boris N. Jelzin durch die Ankündigung
seines vorzeitigen Rücktrittes aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen
ein letztes Mal Russland und die Weltöffentlichkeit. Gemäß der russischen
Verfassung ernannte er Wladimir Putin zum amtierenden Staatspräsidenten und
erreichte eine Vorverlegung der Präsidentenwahlen
auf den 26.März 2000. Mit diesem geschickten Schachzug versetzte er Putin in
eine sehr gute Ausgangslage für die Präsidentenwahlen. Ein junger, dynamischer Politiker, der bereits Erfahrung als Ministerpräsident und Staatspräsident
sammeln konnte und dazu noch von einer Welle der Popularität getragen wurde.
Am 26. März 2000 wurde Putin schließlich schon im ersten Wahlgang mit 52,5 der Stimmen zum zweiten russischen Staatspräsidenten gewählt.