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Die Staatsflagge der Russischen Föderation stellt eine rechteckige aus drei gleichgroßen Längsstreifen bestehende Stoffbahn dar: der obere Streifen ist weiß, der mittlere blau und der untere rot. Die Trikolore, die in Rußland von Peter l. eingeführt worden ist, wird im Jahre 2005 300 Jahre alt sein. Als der Tag ihrer Entstehung gilt der 20. Januar 1705. |
An diesem Tag war im Namen des Zaren ein Erlaß herausgegeben worden, der von der Kanzlei für die Angelegenheiten der Kriegsmarine bekanntgegeben wurde:"Auf allen Handelsschiffen, die den Moskwa-Fluß, die Wolga, die Dwina und verschiedene andere Flüsse und Flüßchen zum Zwecke des Handelsgewerbes befahren, sollen Flaggen nach dem Muster gehißt werden, das unter diesem Erlaß des Großen Herrschers zugeschickt wird. Fahnen anderen Musters, außer dem zugeschickten Muster, dürfen auf den Handelsschiffen nicht gehißt werden. Wenn aber jemand dem Erlaß des Großen Herrschers nicht folgt, der wird hart bestraft."
Die Bedeutung der Farben der Flagge wird verschieden erklärt. Oft wird auf deren Entsprechung den drei Farben der Flagge Hollands verwiesen; andererseits wird festgestellt, daß Weiß, Blau und Rot ihren Ursprung in den Fahnen des Moskauer Heeres haben und die traditionellen Farben der russischen Volkstrachten widerspiegeln. Ende der 60er Jahre des 17. Jahrhunderts wurde auf Geheiß des Zaren Alexej Michailowitsch für das Kriegsschiff "Orjol" eine Flagge aus dem "scharlachroten, weißen und himmelblauen" Stoff angefertigt.
Es wird auch die Meinung vertreten, daß die Anordnung der Streifen auf der Flagge der alten Auffassung vom Aufbau der Welt entspricht: unten die physikalische, fleischliche Welt, darüber die himmlische und oben die göttliche, oder, umdeutend, von oben nach unten: Wera, Nadeshda, Ljubow (Glaube, Hoffnung, Liebe). Nach einer weiteren Deutung symbolisiert die Kombination von Weiß, Blau und Rot die Brüderlichkeit zwischen den drei ostslawischen Völkern - den Weißrussen, Ukrainern und Russen.
In den Zeiten nach Peter l. wurde die dreifarbige Flagge im allgemeinen als eine Handelsflagge, die Flagge der Kaufleute und zivile Flagge betrachtet; in Rußland gab es praktisch keine einheitliche gesamtnationale Flagge. "Alle Völker Europas kennen ihre Farben und Schattierungen, wir kennen sie aber nicht, verwechseln und hissen verschiedenfarbige Flaggen ungelegen", schrieb der herausragende russische Sprachforscher und Ethnograph Wladimir Dal (1801-1872). "Wir haben keine Volksfarbe: die Farben der Armee sind Grün und Hochrot; die staatlichen, militärischen, Georgsfarben sind Weiß, Orangegelb und Schwarz (Silber, Gold, Schwärze), sie sind auch die Farben der Dienstrangabzeichen (Mützenabzeichen); unsere Fahnen und Festungsflaggen sind mehrfarbig; die Flagge der Kriegsmarine ist weiß mit dem Andreas-Kreuz; die Handelsflagge ist weißblaurot, längsgestreift; welche Farben soll man aber hissen und tragen, mit welchen die Gebäude und anderes bei zivilen Volksfeierlichkeiten schmücken?"
Diese verwickelte Situation klärte sich 1883, als Alexander III. bei der Krönung der "staatlichen" Flagge die von Peter l. eingeführte Handelsflagge vorzog. Aus diesem Anlaß wurde das hoheitliche Gebot veröffentlicht: "Bei feierlichen Anlässen, da es für möglich gehalten wird, zu gestatten, die Gebäude mit Flaggen zu schmücken, ist nur die russische Flagge zu benutzen, die aus drei Streifen besteht: dem oberen weißen, dem mittleren blauen und dem unteren roten."
In den Jahren des Bürgerkrieges (1918-1920) wurde die nationale Symbolik erneut geteilt. Während die Bolschewiki die revolutionäre rote Fahne zur Staatsflagge erklärten, kämpfte die weiße Armee gegen die Sowjetmacht unter den weißblauroten Fahnen.
Interessant ist das weitere Schicksal der russischen Trikolore.
Im Sommer 1990 schlug Viktor Jaroschenko, Minister für Außenwirtschaftsbeziehungen in der ersten Regierung von Jelzin - Silajew, in einer Sitzung der Regierung vor, zur traditionellen russischen Staatssymbolik zurückzukehren, vor allem zu der dreifarbigen, von Peter l. eingeführten Flagge. Die Mehrheit der Regierungsmitglieder unterstützte ihn, diese Frage gehörte jedoch zur Zuständigkeit des Parlaments, das auf Vorschlag der Regierung eine Kommission bildete.
Es war aber fast ein ganzes Jahr vergangen, bevor die dreifarbige russische Flagge offiziell als Staatsflagge gehißt wurde. Das war die Flagge, die Viktor Jaroschenko persönlich gehörte und in seinem Arbeitszimmer "illegal" ein ganzes Jahr gehangen hatte. Als das Parlament am Morgen des 22. August 1991 nach der Zerschlagung des antidemokratischen Putsches endlich den Beschluß gefaßt hatte, zur historischen russischen Flagge zurückzukehren und sie auf der Siegeskundgebung über dem Weißen Haus zu hissen, stellte es sich heraus, daß niemand eine solche Flagge besaß. Man erinnerte sich daran, daß im Arbeitszimmer von Jaroschenko eine Flagge mit erforderlichen Abmessungen hing. Nach der Flagge wurde das Auto des Ministerpräsidenten geschickt, und die wiedererstandene Flagge Rußlands wurde während der Kundgebung unter dem Beifall von zehntausenden Bürgern Rußlands feierlich gehißt.
Der 22. August ist jetzt ein Festtag - der Tag der Staatsflagge der Russischen Föderation.
Heute
ist die Staatsflagge ständig bei den Sitzungen der höchsten Machorgane präsent
und wird an den Festtagen, bei feierlichen Veranstaltungen und denkwürdigen
Ereignissen auf den Straßen und Plätzen ausgehängt. Die russische Flagge Nr.
l hängt auch heute noch bescheiden im Arbeitszimmer des Handelsvertreters Rußlands
in Frankreich Viktor Jaroschenko, in der rue de la Faisanderie 49, in Paris, wo
sie manchmal wißbegierige Journalisten und Fotoreporter "empfängt".
Quelle: Russische Botschaft in Deutschland